- Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.
MaJaColloquium: Lailah Atzenroth: Zwischen Sichtbarmachung, Aneignung und Verdrängung: Frauenbewegte (Gegen-)Erinnerung an den Nationalsozialismus
3. Juni 2026 18:15 – 19:45
Im Juni begrüßen wir Lailah Atzenroth, M.A. (RUB) im MaJaColloquium. Lailah Atzenroth wird in dem Vortrag „Zwischen Sichtbarmachung, Aneignung und Verdrängung: Frauenbewegte (Gegen-)Erinnerung an den Nationalsozialismus“ zentrale Ergebnisse ihrer Masterarbeit im 1-Fach-Master International Gender Studies vorstellen.
Für die Neue Frauenbewegung, die mit ihrem Leitspruch „Das Private ist politisch“ die Marginalisierungserfahrungen von Frauen als Form kollektiver Unterdrückung verstand, wurde der Blick in die Vergangenheit zu einem konstitutiven Element der Bewegung. Ihre Akteur*innen begaben sich auf die Spurensuche nach der vergessenen weiblichen Geschichte und den historischen Ursprüngen der Frauenunterdrückung und etablierten so Formen feministischer Gegen-Erinnerung. Dabei war die Neue Frauenbewegung – obwohl sie sich selbst als Gegenentwurf zur Dominanzgesellschaft verstand – in die postnationalsozialistische westdeutsche Gesellschaft eingebettet, die sich ein knappes Vierteljahrhundert nach 1945 nur zögerlich und mit viel Gegenwehr mit den nationalsozialistischen Verbrechen sowie deren personellen und ideologischen Kontinuitäten auseinandersetzte. Dies stellte auch die feministische Gegen-Erinnerung vor erhebliche Herausforderungen: Wie ließ sich die identifikatorische Suche nach den eigenen Vorfahrinnen und den Ursachen weiblicher Unterdrückung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und der damit verbundenen Verantwortung der breiteren Bevölkerung – auch der Frauen – in Einklang bringen?
Auf Grundlage von vier zentralen feministischen Zeitschriften der Neuen Frauenbewegung untersucht der Vortrag, welche Narrative, Themen und Deutungsmuster diese frauenbewegte (Gegen-)Erinnerung an den Nationalsozialismus prägten, welche Sichtbarkeiten geschaffen und welche Marginalisierungen und Ausschlüsse fortgeführt oder neu hervorgebracht wurden.
Im Anschluss an den Vortrag wollen wir mit einer partizipativen Fishbowl-Diskussion den Raum für einen kritischen Austausch öffnen: Wo steht das feministische Erinnerungsprojekt heute? Welche Sichtbarmachungen und Ausschlüsse gehen damit einher und wie können wir diesen aus solidarisch-kritischer Perspektive begegnen? Wo verorten wir die Geschlechterforschung in diesem Diskurs?
Das Colloquium findet im Uni-Forum Ost (kurz: UFO) in Raum 0/10 statt. Der Raum ist zugänglich für Rollstuhlfahrende. Der Vortrag findet in deutscher Lautsprache statt. Melden Sie sich gerne bei etwaigen Unterstützungsbedarfen.
