Die Mitglieder des Fachschaftsrats Gender Studies möchten Studierenden und Studieninteressierten beratend und helfend zur Seite stehen. Darüber hinaus ist das Ziel des Fachschaftsrats, das Studienfach mit interessanten Gruppen und Einrichtungen, die sich mit dem Thema Gender beschäftigen, zu vernetzen.
Beim Fachschaftsrat können alle Studierende mitmachen, die in einem der beiden Gender Studies-Studienprogrammen eingeschrieben sind. Darüber hinaus freut sich der FSR über inhaltliche oder organisatorische Beiträge und Tipps von anderen Interessierten.
Das Büro vom FSR befindet sich im Gebäude GD, Ebene 03, Raum 129. Sprechzeiten nach Vereinbarung per E-Mail an fsrgs@rub.de. Außerdem hat der FSR einen eigenen Instagram-Account @fsrgenderstudiesrub.
In 2025 feiern die Gender Studies in Bochum ihr 20-jähriges Bestehen. Im Wintersemester 2005/2006 begann alles mit dem Studienfach Gender Studies – Kultur, Kommunikation, Gesellschaft im 2-Fächer-Master. Seitdem haben Studierende die Möglichkeit, in die faszinierende Welt der Geschlechterforschung einzutauchen und ihr Gender Studies-Studium an der Ruhr-Uni Bochum erfolgreich abzuschließen. Einige Jahre später, im WS 2009/2010, wurde das Angebot um den 1-Fach-Master erweitert. Auf der Grundlage einer starken wissenschaftlichen Basis in den drei Trägerfakultäten Geschichtswissenschaften, Sozialwissenschaft und Philologie (insbesondere Medienwissenschaft) hat sich in den letzten 20 Jahren ein umfangreiches Netzwerk engagierter Lehrender entwickelt. Diese öffnen ihre Lehrangebote und tragen so zur Attraktivität der Studiengänge bei. Besonders hervorzuheben ist im 1-Fach-Master International Studies Gender Studies die Möglichkeit, einen Double Degree zu erwerben, also zwei offizielle Abschlüsse an der RUB und der Universität Graz in Österreich zu erlangen. Für viele Studierende ist das Auslandssemester in Graz ein unvergesslicher Höhepunkt ihres Studiums. Seit 2019 ist das Studienfach Gender Studies zudem eine wichtige Säule des Marie Jahoda Center for International Gender Studies (MaJaC).
Jubiläumsinhalte bei Instagram
Das Jahr über greifen verschiedene Formate bei Instagram Jubiläumsinhalte auf. Von Rückblicken über den Verbleib von Absolvent*innen und Fun Facts aus zwei Jahrzehnten Gender Studies in Bochum ist alles dabei.
„20 Jahre Genderwissen in Aktion“ – unter diesem Motto haben das MaJaC und der Fachschaftsrat Gender Studies am 3. Juli 2025 zum zwanzigjährigen Bestehen der Gender Studies Studiengänge an der Ruhr-Uni geladen. Der Hitzewelle der vorherigen Tage gerade so entflohen, kamen bei blauem Himmel und leichter Brise Studierende, Absolvent*innen, Promovierende, Dozent*innen und Wegbegleiter*innen für feierliche Rückblicke und Diskussionen zur Zukunft in Bochum zusammen.
Die Widerständigkeit der Gender Studies
Der Festakt begann am frühen Nachmittag im Atrium des O-Werks. Durch das Programm führte Nele Posthausen, Journalistin und Alumna der Gender Studies an der RUB. Nach der digitalen Begrüßung durch Rektor Prof. Dr. Martin Paul folgten Grußworte von Prof. Dr. Kornelia Freitag sowie Prof. Dr. Isolde Karle. Prof. Dr. Katja Sabisch würdigte in ihrer Rede die Entwicklung des Studienangebots sowie die vielen Projekte und Personen, die „Genderwissen in Aktion“ über zwei Dekaden hinweg ermöglicht und getragen haben. Besondere Betonung fand die in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellte Widerstandsfähigkeit der Geschlechterforschung. Die Erfolgsgeschichte der Gender Studies sei eng verbunden mit einer Geschichte des Widerstandes, der sich durch ein solidarisches Miteinander und ein mutiges „Jetzt erst recht“ charakterisiere: Mehr Lehre, mehr Forschung, mehr Vernetzung.
Gender Studies in der Praxis
Im anschließenden Beitrag „GenderWissen in der Praxis“ stellte Studiengangskoordinatorin Maximiliane Brand dar, wie breit gefächert die Einsatzmöglichkeiten genderbezogener Expertise sind – von Wissenschaft über Bildungsarbeit und Medien bis hin zu Politikberatung oder Gleichstellungsarbeit. Die Beispiele machten deutlich: Genderwissen ist eine zentrale Kompetenz für eine reflektierte und gesellschaftlich relevante Berufspraxis.
Eine Q&A-Runde mit Absolvent*innen gewährte Einblicke in berufliche Wege, Herausforderungen und Erfahrungen. Dabei zeigte sich: Auch wenn das im Studium erworbene Wissen im Alltag nicht immer explizit präsent ist, prägt es die berufliche Positionierung nachhaltig. Auch persönlich profitierten die Gäst*innen auch viele Jahre später noch von dem Wissen, das sie während ihrer Ausbildung erworben haben.
Den Abschluss des Festakts bildete eine Tanzperformance von Leticia M‘Peti-Speicher mit Elementen aus Hip-Hop und Afrodance. Danach wurde auf das Jubiläum angestoßen, bevor die Feier am frühen Abend im angrenzenden Makerspace fortgesetzt wurde.
Studentische Perspektiven auf das Fach
Zentraler Programmpunkt war eine interaktive Fishbowl-Diskussion, die sich um die vom Fachschaftsrat initiierte Community-Fotoaktion drehte: Unter dem Motto „Mit und Wider allen Dingen“ wurden eingereichte Fotos von Studierenden und Alumni als Ausgangspunkt für eine lebhafte Debatte über Gegenwart und Zukunft des Fachs genutzt. Die Diskussion war geprägt von nachdenklicher Ernsthaftigkeit, immer wieder durchbrechendem Humor und kämpferischen Haltungen, die die Anwesenden einte.
Stärkendes Beisammensein
Der Tag klang bei offenem Buffet und mehreren Kreativstationen in der Abendsonne aus. Die gelöste Atmosphäre lud zum geselligen Beisammensein ein und so wurde bis spät in den Abend hinein gelacht, diskutiert und Erinnerungen ausgetauscht.
Die Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Gender Studies an der RUB war nicht nur ein feierlicher Rückblick und eine aktuelle Bestandsaufnahme, sondern vor allem eine Verkörperung der vielfältigen Perspektiven und Persönlichkeiten, die das Fach bisher geprägt haben. Sie bot Raum für Begegnung, Reflexion und neue Impulse – und zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und relevant das Fach nach zwanzig Jahren weiterhin ist und bleibt.
Location OWerk Bochum | Copyright: MaJaC
Programm (1) | Copyright: MaJaC
Programm (2) | Copyright: MaJaC
Jubiläumsmarke | Copyright: Anna Spindelndreier
Jubiläumsmarke auf den Jutebeuteln | Copyright: Anna Spindelndreier
Atrium im OWerk | Copyright: Anna Spindelndreier
Fotoaktion des FSR Gender Studies | Copyright: Anna Spindelndreier
Moderation Nele Posthausen | Copyright: Anna Spindelndreier
Globale Veränderungen wie der Wandel politischer Kulturen, sozialer Ungleichheiten, medialer Welten, der Kunst und Kultur, der Arbeitswelt, der Digitalisierung, weltweiter Migrationsbewegungen und viele andere Faktoren wirken als Transmissionsriemen für sich teils dramatisch verändernde Geschlechterverhältnisse. Die mit der Kategorie Geschlecht verbundenen komplexen Diskurse und Kontroversen bedeuten für Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Kultur, Politik und Kirche eine besondere Herausforderung; dies erklärt den wachsenden Bedarf nach wissenschaftlicher Reflexion und dem Transfer von Gender-Wissen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, arbeiten die im Marie Jahoda Center for International Gender Studies engagierten Wissenschaftler*innen in intersektionaler Perspektive zusammen. Um Ungleichheitsverhältnisse in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen, werden Wechselwirkungen mit anderen Kategorien wie etwa Klasse, Behinderung, Alter, Religion, sexueller Orientierung oder Ethnizität untersucht und gelehrt.
Das MaJaC ist eine wissenschaftliche Einrichtung in der Trägerschaft der Fakultäten für Geschichtswissenschaften, Sozialwissenschaft und Philologie. Zur Satzung des MaJaC
Marie Jahoda (1907-2001) war eine österreichische Sozialwissenschaftlerin und Sozialpsychologin. Sie wuchs in Wien auf und begann dort nach dem Abitur im Jahr 1926 das Studium der Psychologie. Aufgrund der prekären finanziellen Lage ihrer Familie arbeitete Marie Jahoda neben ihrem Studium unter anderem im Berufsberatungsamt der Stadt Wien, im dortigen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum und als Arbeiterbibliothekarin im Gemeindebau Karl-Marx-Hof. 1932 legte sie ihre Promotion ab und veröffentlichte nur ein Jahr darauf gemeinsam mit ihrem ersten Ehemann Paul Lazarsfeld die bahnbrechende Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“.
Sie arbeitete zunächst im Schuldienst, wurde dann aber als aktives Mitglied der österreichischen Sozialdemokratie und Aktivistin gegen das NS-Regime entlassen. Nach ihrer Verhaftung 1936 emigrierte sie im Jahr darauf nach Großbritannien. Der wissenschaftliche Neuanfang gestaltete sich – wie bei vielen Emigrant*innen – hürdenreich und war zunächst von befristeten Forschungsprojekten geprägt. Von 1939 bis 1941 erhielt sie ein Stipendium der University of Cambridge. Bis zum Kriegsende arbeitete Marie Jahoda schließlich als Freelancerin ohne direkte Anbindung an eine Universität. 1945 ging sie in die USA und arbeitete zunächst als Assistentin von Max Horkheimer.
Mit dem Wechsel an die New York University gelang ihr 1949 schließlich der Sprung auf eine Professur im Bereich der Sozialpsychologie. Hier arbeitete sie an einer Vielzahl von empirischen Studien zu heterogenen Themen wie Vorurteilen, Gruppenkonflikten, Mental Health, Bildungsfragen und beschäftigte sich mit den Folgen des McCarthyismus. 1958 verließ sie die USA und heiratete in zweiter Ehe den englischen Labour-Abgeordneten Austen Albu. 1965 wurde sie Gründungsprofessorin für Sozialpsychologie an der neuen University of Sussex und stand damit auf dem Gipfel ihrer akademischen Laufbahn.
Marie Jahodas wissenschaftliches Schaffen steht für gelebte Interdisziplinarität – gerade auch im Hinblick auf die Methodenauswahl – und Internationalität. Durch die konsequente Verbindung ihrer wissenschaftlichen Forschung mit gesellschaftlichen Fragestellungen und ihr ausgeprägtes öffentliches Engagement in politischen Organisationen ist Marie Jahoda bis heute Vorbild für einen intensiven Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.
1994 wurde an der Ruhr-Universität Bochum die nach Marie Jahoda benannte Gastprofessur für Internationale Geschlechterforschung ins Leben gerufen.
Literatur:
Steffani Engler/Brigitte Hasenjürgen (Hrsg.), Marie Jahoda. Ich habe die Welt nicht verändert. Lebenserinnerungen einer Pionierin der Sozialforschung, Weinheim/Basel 2002
Johann Bacher/Waltraud Kannonier-Finster/Meinrad Ziegler (Hrsg.), Marie Jahoda. Lebensgeschichtliche Protokolle der arbeitenden Klassen 1850-1930. Dissertation 1932. Mit einem Portrait über die Autorin von Christian Fleck, Innsbruck/Wien/Bozen 2017
Hinter dem Marie Jahoda Center for international Gender Studies verbirgt sich ein hoch dynamischer Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Fakultäten der Ruhr-Universität Bochum, die in Lehre, Forschung und Wissenstransfer engagiert sind.
Das MaJaC koordiniert zwei interdisziplinäre Studiengänge für Gender Studies, den 2-Fächer Master Gender Studies – Kultur, Kommunikation, Gesellschaft und den 1-Fach Master International Gender Studies.
Im Gender Lab kommen die am MaJaC beteiligten Wissenschaftler*innen zu gemeinsamen Forschungsprojekten zusammen, empfangen jährlich im Rahmen des Marie Jahoda Fellowship-Programms internationale Wissenschaftler*innen und bauen damit über das Ruhrgebiet hinaus Wissensnetzwerke zu aktuellen Themen der Geschlechterforschung auf. Überdies präsentieren sie laufende Lehrstuhlprojekte, die auch zu den Themen des MaJaC-Colloquiums gehören.
Der intensive Diskurs mit der Gesellschaft und die Entwicklung von konkreten Projekten zur Überwindung von Gender Biases steht im Mittelpunkt des Arbeitsbereiches Gender in Society.
Unter der Rubrik Aktuellesfinden sich Podcast-Serien, Hinweise zu MaJaC-Veranstaltungen, Veranstaltungen zur Geschlechterforschung unserer regionalen Partneruniversitäten, der TU Dortmund und der Universität Duisburg-Essen, ausgewählte Veranstaltungen des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung und ein Pressespiegel.